Um Ihnen einen Einblick in das Riesengebiet
der chinesischen Medizin zu verschaffen, lassen Sie mich einen
Seiteneinstieg wählen und über das Wetter und seine
Wirkung auf das Immunsystem sprechen.
Die chinesische Medizin schaut zunächst einmal von außen
auf den Organismus und fragt: Welche Störgrößen
können den geregelten Fluß der Lebensfunktionen vom
Kurs abbringen?
Es werden zweierlei Faktoren unterschieden, die unsere Anpassungsfähigkeit
überfordern, die klimatischen und die emotionalen.
Die fünf wichtigsten schädlichen Witterungsfaktoren
sind Nässe, Trockenheit, Hitze, Kälte und Wind.
Diese Klimafaktoren sind nicht an sich schädlich. Im Alltag
reagieren wir ununterbrochen auf atmosphärische Schwankungen
- durch Öffnen und Schließen der Hautporen, durch Zunahme
und Abnahme der Durchblutung von Haut und Schleimhäuten,
durch Veränderung der Atmung oder aber durch Anziehen eines
Mantels .
Die Chinesen nennen diese Fähigkeit, sich (meist) unbewußt
und rasch auf atmosphärische Veränderungen einzustellen,
das "Wei Qi".
Erst wenn dieses Wei Qi überfordert ist, weil wir müde
sind oder geschwächt, oder weil die Klimakonstellation so
aggressiv ist, daß niemand ihr entkommt (Grippe-Epidemien),
tritt das in Aktion, was mit Abwehr im westlichen Sinne zu tun
hat: Wir bekommen Schnupfen oder Durchfall oder einen steifen
Hals usw.
Von größter Tragweite sind an dieser Stelle drei Beobachtungen
der alten chinesischen Ärzte:
1. Jedes der fünf "Witterungsübel" löst
allein oder in Kombination ganz bestimmte Reaktionen im Organismus
aus : So führt z.B. Nässe zu Übelkeit, Abgeschlagenheit
und Durchfall, Wind zu tränender, juckender Bindehaut, Wind-Kälte
zu Schnupfen, Trockenheit zu Husten ohne Schleim, Schrunden, Hauttrockenheit.
2. Die Menschen reagieren unterschiedlich: Der eine ist durch
Wind, Wetterwechsel und Zugluft leicht überfordert, der andere
kommt mit feuchtem und nebligem Wetter nicht zurecht, wieder ein
anderer scheut die Kälte usw.
Diese Reaktionsweisen sind so charakteristisch für einen
Menschen, daß man (natürlich mit der Möglichkeit
der Kombination) vom "Wind-Typ" oder "Kälte-Typ"
usw. sprechen kann.
Auffallend ist, daß diese "Wettertypen" sich auch
sonst in ihren Reaktionen unterscheiden: Der "Wind-Typ"
hat z.B. leicht Probleme mit der Regelung seiner Ag-gressionen,
leidet auch eher an Verspannungen und läuft ein höheres
Risiko als andere, dereinst einen Schlaganfall zu bekommen. Der
"Kälte-Typ" ist eher ängst-lich, bekommt leichter
eine Blasenentzündung und ist besonders gefährdet gegenüber
Gelenkserkrankungen.
3. Wenn es der Abwehr nicht gelingt, das "Witterungsübel"
mit Hilfe eines produktiven Infektes über Fieber, Schleimausleitung
und ähnliche Heilreaktionen zu bewälti-gen, dann sinkt
dieser Störfaktor in die "Tiefe" des Organismus
und bereitet den Weg für die Entwicklung einer chronischen
Krankheit.
Unsere Naturheilkunde sagt: der Infekt ist nicht aus-, sondern
eingeheilt.
Im Laufe von Jahren kann der Mensch schließlich verlernen,
mit den üblichen Infektzeichen zu reagieren, auch wenn die
Umgebung hustet und schnupft.
Es ist eine Reaktionsstarre des Wei Qi eingetreten. Der Infekt
wird kaum oder garnicht bemerkt und trotzdem kann diese klimatische
Überforderung das Entstehen einer chronischen Erkrankung
im Verborgenen fördern. Ist diese aber bereits aus-gebro-chen
, dann löst der Infekt einen Schub oder eine Verschlechterung
dieser Krankheit aus (so bei Multipler Sklerose, Darmentzündung,
Depression, Rheuma, Asthma usw.).
Diese letzte Beobachtung paßt gut zu modernen Erkenntnissen
über die Entstehung von Autoimmunkrankheiten: Eine im Körper
schwelende Entzündung, die von nicht restlos ausgeheilten
Infekten ihren Ausgang genommen hat.
Mit diesen Bemerkungen über das Thema "Wetter und chronische
Krankheiten" wollte ich Ihnen ein kleines Fenster in Sicht-
und Denkweise der chinesischen Medizin öffnen. Die Ergebnisse
der westlichen Bakteriologie werden hierdurch nicht verneint,
sondern ergänzt, indem Antworten auf praktische Fragen gegeben
werden, über die die westliche Wissenschaft gerne hinweggeht:
Warum steckt sich der eine an einer Grippe an, der andere nicht,
warum sehen wir bei chronisch Kranken immer wieder diese Zustände
von Erkältungslosigkeit, und zwar sowohl in den Jahren vor
als auch nach dem Ausbruch ihrer Erkrankung.
Die Aufgabe der chinesischen Diagnostik ist, um den roten Faden
wieder aufzunehmen, herauszufinden, welche Witterungsfaktoren,
jetzt als Reaktionstypen genommen, in einer chronischen Krankheit
verborgen sind. Ist es z.B. Kälte, dann finden wir häufig
auffallend kalte Füße, die oft mit der Wärmflasche
behandelt werden müssen, bevor man oder Frau einschlafen
kann, ferner Neigung zu Blasenentzündungen oder Leistenbrüchen,
eher keine Verstopfung, wenig Durst, Kältezeichen in der
Puls- und Zungendiagnostik...
Natürlich kommen alle möglichen Kombinationen und Überlagerungen
durch Ernährung und Lebensweise mit ins Spiel, so daß
die chinesische Diagnostik oft der Arbeit des Archäologen
vergleichbar ist.
Bei der Diagnosestellung werden natürlich außer den
in der Krankheit verborgenen Witterungsfaktoren noch andere Momente
wie betroffener Organbereich, Gewicht emotionaler Einflußgrößen,
Schlackenüberlagerung und vieles andere mehr berücksichtigt.
Entsprechend der Diagnose wird eine chinesische Arzneirezeptur
zusammengestellt. Diese besteht aus Pflanzenteilen oder Mineralien,
die in eher hoher Dosierung ( 1 - 12 Gramm der Einzelkomponenten
pro Tag) als Abkochung verabreicht wird.
Die Arzneidrogen sind in ihrer Wirkung außerordentlich präzise
beschrieben.
Die Arzneibücher geben genau an, in welchem Maße ein
Mittel kühlt oder wärmt, trocknet oder befeuchtet, die
Lebensenergie nach oben hebt (aktiviert) oder absenkt (ruhig macht),
auf welchen Organbereich es wirkt und anderes mehr.
Die Kenntnis der Arzneimittelwirkung macht es dem Therapeuten
möglich, Arzneireaktionen des Patienten auch dann einzuordnen,
wenn nicht gleich der gewünschte therapeutische Effekt eingetreten
ist. Derartige Beobachtungen führen zu einer ständigen
Korrektur und Anpassung von Diagnose und Rezeptur an die individuelle
Reaktionsweise des Patienten.
Die Arzneitherapie, die auch in China den wichtigsten Platz im
Methodenkonzert der traditionellen Medizin einnimmt, wird in unserer
Klinik stets kombiniert mit Verfahren, die in China der "äußeren
Behandlung" zugeordnet werden:
Die hierzulande am ehesten bekannte Akupunktur besteht in der
Reizung bestimmter Punkte der Körperoberfläche meist
mit Hilfe von sehr dünnen Nadeln aus Edelstahl. Hierdurch
erreicht man einen Ausgleich "energetischer" Spannungszustände,
mit der Folge, daß Schmerzen, Unruhe und vegetative Beschwer-den
nachlassen, und zwar häufig noch unter der Behandlung. Darüberhinaus
läßt sich durch eine adäquate Punktstimulation
die Funktionslage innerer Organe beeinflussen.
Grundlage aller "äußeren Verfahren" ist die
Lehre von den Energiebahnen ("Meridianen").
Die Chinesen haben vor einigen tausend Jahren entdeckt, daß
die Körperoberfläche der höheren Tiere, also beim
Menschen die Haut und die darunter liegenden Muskel- und Bindegewebe,
noch eine andere Funktion haben als die, die westliche Anatomie
und Physiologie heute beschreiben.
Unsere westliche Wissenschaft vom Menschen hat für die Phänomene,
um die es hier geht, keine adäquate Sprache entwickelt. Wir
sind darum genötigt, zu Begriffen aus der Physik wie "Energie"
Zuflucht zu nehmen.
Aber vielleicht kann man die chinesische Erkenntnis so beschreiben:
Die Oberfläche des menschlichen Körpers hat eine eigene
vitale Ausstrahlung, die von inneren Prozessen des Organismus
und unbewußten seelischen Kräften aufgebaut und reguliert
wird. Die Ausstrahlung verdichtet sich in bestimmten Linien, die
den Körper netzartig überziehen, den Energiebahnen oder
Meridianen.
In den Meridianen fließen Energie und "Blut" (chinesisch
"Qi" und "Xue").
Dieses Fließen läßt sich über bestimmte
"Löcher" in den Bahnen, die Akupunkturpunkte, beeinflussen.
Die 12 paarig angelegten Meridiane haben einen inneren und einen
äußeren Verlauf. Sie bilden ein eigenes System, dessen
Ausgewogenheit von äußeren Faktoren und von Störungen
der inneren Organe beeinträchtigt werden kann. Durch eine
Reizung der Meridianpunkte von außen läßt sich
ein gestörter Fluß in den Meridi-anen anregen und regulieren,
was einerseits Balancestörungen und Stauungen im äußeren
Meridiansystem beheben, andererseits die inneren Organe beeinflussen
kann.
Beispiele:
Schmerzen sind, unabhängig von dahinter liegenden zusätzlichen
Ursachen, immer mit einem gestörten Energiefluß in
den Meridianen verbunden. Darum gibt es kaum Schmerzzustände,
bei denen die Akupunktur nicht wenigstens kurzfristig hilft.
Erregungszustände, Nervosität sind häufig begründet
in einer "kopflastigen" Gleichgewichtsstörung des
Energieflusses; auch hier können die Akupunkturnadeln rasch
helfen, indem sie erlauben, Energie von oben nach unten zu führen.
Übelkeit, Atemnot bei Asthma, Juckreiz bei Ekzem sind weitere
Symptome, die häufig kurzfristig auf die Nadelung reagieren.
Die Energiebahnen und -punkte lassen sich auch noch auf andere
Weise anregen als durch das Einstechen und Manipulieren von Metallnadeln.
Zur Verfügung stehen ferner die Punkterwärmung durch
Abbrennen von Moxakraut, das Schröpfen und manuelle Methoden
wie die Akupunktur-Massage und das Shiatsu.
Auch die verschiedenen Übungsformen des Qigong sind geeignet,
das Fließen in den Leitbahnen anzuregen und zu regulieren.
Vorteil des Qigong ist, daß Patienten lernen, selbst etwas
für ihre Gesundheit zu tun.
Nach diesen Bemerkungen über Sichtweise und Methodik der
chinesischen Medizin komme ich zum Ende meines Vortrags.
Viele Fragen konnten nicht angesprochen werden. Wahrscheinlich
interessiert Sie aber noch zu erfahren, bei welchen Erkrankungen
denn die chinesische Medizin helfen kann.
Eine allgemeine Antwort auf diese Frage ist jedoch nicht leicht.
Vielleicht kann man es so ausdrücken: Alle Krankheiten, bei
denen Heilreaktionen möglich sind. Dabei sind die Behandlungsaussichten
weniger von der Art der Diagnose, als vielmehr von der Vorgeschichte
und, ganz besonders, von den Vorbehandlungen abhängig.
Wer in Europa chinesische Medizin praktiziert,
tut dies nicht im luftleeren Raum.
Unsere Kultur hat ja ihr eigenes medizinisches System entwickelt,
die "westliche Medizin", wie die Chinesen sagen. Wir
nennen sie, weil sie an unseren Hochschulen gelehrt wird, die
"Schulmedizin".
Diese Schulmedizin ist einer der Eckpfeiler unseres Gesundheitssystems,
dessen Funktion der Grundsicherung bei Krankheit, Unfall, Invalidität
eine der großen sozialen Errungenschaften unserer Gesellschaft
darstellt.
Wenn Sie einen Unfall haben oder auf der Straße zusammenbrechen,
werden alsbald fachkundige Hände sich Ihrer annehmen: Sanitäter,
Sankafahrer, Schwestern, Narkosearzt, Chirurg ... Ein ganzer Maschinenpark,
eine Apotheke voller Medikamente werden nur für Sie bereitgehalten,
damit Ihr Leben gerettet und Ihre Gesundheit, soweit möglich,
wiederhergestellt wird.
Dieses Beispiel steht für die positive Seite der Schulmedizin
und zeigt einen der Gründe, warum zu recht gesagt wird, die
medizinische Versorgung der Bevölkerung war nie so gut wie
heute.
Mit der Kehrseite der Schulmedizin werden wir konfrontiert, wenn
wir uns dem Thema chronische Krankheiten zuwenden.
Hier hat es den Anschein, als ob die Verfahren, die sich in der
Akutmedizin so glänzend bewährt haben, versagen und
trotz (oder wegen?) der kurzfristigen Linderung der Akutsymptome
das Chronischwerden der Krankheit nicht verhindern können,
sondern im Gegenteil der Chronifizierung leider oft genug Vorschub
leisten.
Nehmen wir als Beispiel die Art und Weise wie mit Fieber und Entzündung
um-gegangen wird.
Gegen Fieber und Entzündungsvorgänge werden u.a. eingesetzt:
Fiebersenker wie Aspirin; Antibiotika, Rheumamittel, Cortison.
Alle diese Mittel bremsen Immunprozesse und sind deshalb in Situationen
angezeigt, in denen eine entfesselte Überaktivität des
Immunsystems oder ein den Organismus überforderndes Wachstum
von Erregern Gefahren für Leib und Leben heraufbeschwören.
In allen anderen Fällen sind diese Mittel der Gesundheit
eher abträglich.
Hier müssen wir zwei Situationen unterscheiden:
1. Akute Alltagsinfekte können eine wichtige Rolle als Immuntraining
und als Regenerationshilfe spielen, weil am Ende eines Infektes
oft Reinigungs- und Ausleitungsaktivitäten ablaufen, bei
denen auch "Altlasten" mobilisiert und ausgeschie-den
werden können.
Hier behindern Immunblocker sinnvolle physiologische Funktionen.
2. Chronische Entzündungen ohne äußeren Anlaß
aufgrund einer Fehlsteuerung des Immunsystems, meist Autoimmunerkrankungen.
Hier ist die Lage etwas komplizierter:
Stellen Sie sich vor, Sie fahren in einem Auto, bei dem die Lenkung
defekt ist. Der Wagen schießt mal nach links, mal nach rechts,
mal geradeaus, ganz wie er will. Er ist außer Kontrolle.
Wenn Sie nicht in den Abgrund fahren wollen, müssen Sie auf
die Bremse steigen. Wenn Sie aber mit dem Wagen noch eine Wegstrecke
bewältigen wollen, dann sollten Sie die Lenkung reparieren,
im Langsamfahren erproben, nachjustieren usw. Das geht nur, wenn
Sie den Fuß von der Bremse nehmen.
Diese Möglichkeit, die Immunsteuerung wieder in Ordnung zu
bringen, hat die Schulmedizin in den letzten Jahrzehnten merkwürdigerweise
ganz aus den Augen verloren. Sie versteift sich auf die Bremsmethode
und gelegentliches Gasgeben, und dies ungeachtet der Nebenwirkungsrisiken,
die den "Immunbremsen" allesamt anhaften.
Das, was hier über die Behandlung von Entzündungen und
Immunstörungen (zu denen im übrigen auch die Allergien
gehören) gesagt wurde, gilt im Prinzip auch für andere
Diagnosen und Symptome wie Schmerzerkrankungen, nervöse Verspannungen,
Periodenstörungen, Depressionen usw.
Einiges spricht für die Faustregel: Was akutmedizinisch nützt,
kann bei chronischen Krankheiten schädlich sein.
Warum das so ist?
Die Mittel, die stark und schnell und ohne Ansehen der Person
wirken sollen, können auf Regelkreise keine große Rücksicht
nehmen. Gestörte Regelkreise sind aber die Grundlage fast
aller chronischen Krankheiten.
Wie stellt sich die chinesischen Medizin diesem Problem, wie erkennt
und behandelt sie krankhaft gestörte Regelkreise des Organismus?
Die chinesische Medizin ist in aller Munde.
Illustrierte bringen Portraits der ersten deutschen TCM-Klinik,
das Fernsehen berichtet über wunderbare Heilungen, an einigen
Stellen in Deutschland werden chinesische Therapiezentren gegründet,
in denen aus China eingeflogene Ärzte Ihre Kunst aus-üben...
Was ist dran an der chinesischen Medizin?
Wieder eine neue Mode auf dem Markt der alternativen Gesundheitsszene?
Nun, diese "Mode" hat sich bisher als ziemlich langlebig
erwiesen, zumindest in den Ländern des fernen Ostens.
Als Europäer wundern wir uns über das enorme Alter der
in China nach wie vor breit praktizierten traditionellen Medizin.
Aus dem Dunkel der Frühgeschichte hat sie sich über
einige tausend Jahre - davon 2000 Jahre schriftlich dokumentiert
- bis in die heutige Zeit kontinuierlich entwickelt und erhalten.
Revolutionen, kulturelle Umwälzungen konnten ihr nichts anhaben;
noch heute werden weltweit ein bis zwei Milliarden Menschen mit
ihren Methoden behandelt.
Der innere Grund für diese Langlebigkeit liegt wohl in der
einzigartigen Flexibilität und Universalität der ihr
zugrunde liegenden Naturauffassung, die es zig Generationen von
Gelehrten und Ärzten ermöglicht hat, praktisch verwertbares
Wissen über Mensch und Natur, Krankheit und Heilung anzusammeln.
Warum hat der Westen für dieses Heilsystem über all
die Jahrhunderte so wenig Interesse gezeigt?
Es gab Zeiten bei uns, in denen die größten Geister
Europas den hohen Rang der chinesischen Wissenschaft erkannten.
So schreibt Leibniz am 21. März 1692 "...(die Chinesen)
sind überlegen im Beobachteten, (wir) im Erdachten; tauschen
wir die Gaben aus und entzünden wir Licht am Lichte!"
Dieser Plan eines Wissensaustausches zwischen den bedeutendsten
Kulturen jener Zeit fiel politischer Kleinkrämerei zum Opfer.
Es folgte die Zeit der Abschließung Chinas von der westlichen
Welt, die im 19. Jahrhundert durch die Kanonen der europäischen
Kolonialmächte gewaltsam beendet wurde.
Erst unser Jahrhundert, in dem das vordem so fortschrittsgläubige
Abendland an sich selbst zu zweifeln begonnen hat, war bereit,
sich erneut mit der fernöstlichen Kultur auseinanderzusetzen.
Es waren naturheilkundlich orientierte Ärzte wie Bachmann,
Stiefvater, Heribert Schmidt u.a., die die chinesische Heilmethode
der Akupunktur und Moxibustion (Haut-Erwärmung mittels Abbrennens
von Artemisia-Kraut) nach dem zweiten Weltkrieg in Westdeutschland
eingeführt haben.
Ursprungsländer waren damals Indochina (über Frankreich)
und Japan.
Mit der Öffnung der VR China Anfang der 70er Jahre setzte
dann ein lebhafter Wissenschaftsaustausch zwischen China und dem
Westen ein, in dessen Gefolge die Akupunktur und ver-wandte Richtungen
bei uns einen bemerkenswerten Aufschwung nahmen.
Jetzt zeigte sich, daß die Akupunktur nur eine Einzelmethode
aus einem umfassenden medizinischen Konzept, der TCM ("Traditional
Chinese Medicine") darstellte, die an Therapieverfahren neben
der Akupunktur noch eine Arzneitherapie, besondere Massage- und
Übungspraktiken und eine Diätetik einschließt;
alles eingebettet in eine eigene Krankheitslehre mit einer speziellen
Terminologie und Diagnostik.
Innerhalb der therapeutischen Richtungen der Gegenwart nimmt die
TCM einen wichtigen Platz ein:
© Dr. Chr. Schmincke
Quelle: www.ag-tcm.de