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Zhang Tian Ge ist Professor für TCM
in einer 1000 Betten Klinik in Beidahe bei Peking und Leiter
der dortigen Abteilung für Qi Gong Forschung. Das Tübinger
" DAN Institut für TCM und Kultur " Hat ihn in
die Universitätsstadt eingeladen, wo er seit zweieinhalb
Monaten mit Vorträgen und Seminaren TCM Ärzte und Qi
Gong Therapeuten fortbildet und die Anwendung traditioneller
Heilmethoden in Europa erforscht. Wir wollten von ihm wissen
, ob chinesische Medizin denn auf westliche Verhältnisse
übertragen werden kann.
Wie erklärt Professor Zhang einem Mitteleuropäer, wie
TCM, speziell Qi Gong wirkt? Qi Gong ist, erklärt er, eine
Art sanfter Heilgymnastik für Atem, Körper und Geist.
" Durch Regulierung des Körpers - zum Beispiel durch
Regulierung von Nahrung, Atmung und Geist - kann man gesund werden."
Körper und Geist ergänzen sich dabei gegenseitig, die
Gesundung könne nicht durch Regulierung des Geistes oder
des Atems allein erfolgen, "es muß beides zusammenspielen."
Qi Gong ist für ihn ein typisches Beispiel für die
Unterschiede in der westlichen und in der chinesischen Kultur.
Während sich die westliche Medizin auf einzelne Organe und
Laboreinheiten konzentrierte, sei die Chinesische Medizin eine
ganzheitliche Methode.
" In China hat sich in mehr als 1000 Jahren eine Qi Gong
Kultur mit verschiedenen Schulen und Richtungen entwickelt ",
erklärt Zhang. Doch auch in China habe es eine Hinwendung
zur westlichen Medizin gegeben. Zhang selbst hat - während
des Korea Krieges - zunächst westliche Medizin studiert:
" Für die Kriegsverletzungen taugte die chinesische
Medizin nicht viel." Als nach der Kulturrevolution China
zunehmend vom Westen isoliert war und es immer schwieriger wurde,
an Medikamente und medizinische Geräte heranzukommen, wurden
von der Regierung Heilmethoden gefördert, die ohne Medikamente
auskommen. Seit Mitte der 50er Jahre ist Qi Gong, das Spezialgebiet
Zhangs, in China eine offiziell anerkannte Behandlungsmethode
- nachdem auch chinesische Minister sie an sich testen ließen
" In den 80er Jahren dieses Jahrhunderts brach ein regelrechtes
Qi Gong Fieber in China aus ", so Zhang, " und auch
Leute, die keine Ärzte waren, übten es aus." In
den 90er Jahren wurde Qi Gong dann in verschiedene Zweige unterteilt
wie medizinisches Qi Gong, taoistisches Qi Gong, Qi Gong als
(Kampf-)Sport und als Kunstform. Als medizinisches Qi Gong wurden
die Übungen zugelassen, die durch klinische Forschungen
erprobt sind. Bei welchen Krankheiten hilft Qi Gong bzw. wird
Qi Gong empfohlen? "Es gibt 40 Krankheiten, die in China
ganz offiziell über Qi Gong heilbar sind", sagt der
Wissenschaftler. Jahrzehntelange Forschungen belegten das. Darüber
hinaus könne Qi Gong weitere 40 Krankheiten heilen, ohne
daß die Wirkungsweise bisher wissenschaftlich untersucht
worden sei.
"Qi Gong stärkt Körper und Geist, und es stärkt
die Abwehrkräfte, was bei Krankheiten wie Allergien und
Asthma wichtig ist." Als Notfallmedizin nicht tauglich,
wirke die chinesische Medizin doch sehr gut bei chronischen Erkrankungen
wie Rheuma, Asthma, chronischen Entzündungen, Bluthochdruck
oder Diabetes.
Aber kann ein Westeuropäer, der nicht bewandert ist in der
chinesischen Kultur, auch erfolgreich mit Qi Gong oder Akupunktur
behandelt werden? "Qi Gong hilft auch, wenn das sozio -
kulturelle Hintergrundwissen fehlt ", ist Zhangs Erfahrung.
Er hat schon Amerikanern Qi Gong beigebracht, "und wenn
Amerikaner das lernen können Europäer, die noch ein
bißchen näher sind, das auch."
Als Arzt, so Zhang, sollte man bei der Akupunktur allerdings
ein paar Dinge beachten: "Wenn ein Patient zum ersten Mal
zur Akupunktur kommt, sollte man sachte damit anfangen - wenn
ich gleich zu heftig akupunktiere" - und das ist nicht selten
mit Schmerzen verbunden - " kommt der Patient womöglich
nicht wieder." Die Chinesen hingegen seien tiefere Nadelungen
gewohnt und wüßten, daß Schmerz en während
der Akupunktur als gutes Zeichen zu werten sind. "Hier müssen
die Leute erst herangeführt werden."
Wichtig für eine gute Anwendung der Chinesischen Medizin
in Europa sei es, so Zhang, "daß sich der europäische
Arzt gut in TCM auskennt oder der chinesische Arzt schon mehrere
Jahre hier zugebracht hat. Denn sonst, so Zhang, fehlt der kulturelle
Brückenschlag.
© Schwäbisches Tagblatt
Quelle: http://www.ag-tcm.de
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