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Einführung
Die chinesische Heilmethode der Akupunktur
und Moxibustion (Haut-Erwärmung mittels Abbrennens von Artemisia-Kraut)
wurde nach dem zweiten Weltkrieg von den Ärzten Bachmann,
Stiefvater, Heribert Schmidt u.a. in Westdeutschland eingeführt.
Ursprungsländer waren damals Indochina (über Frankreich)
und Japan.
Mit der Öffnung der VR China Anfang der 70er Jahre, setzte
ein lebhafter Wissenschaftsaustausch zwischen China und dem Westen
ein, in dessen Gefolge die Akupunktur und verwandte Richtungen
bei uns einen bemerkenswerten Aufschwung nahmen.
Jetzt zeigte sich, daß die Akupunktur nur eine Einzelmethode
aus einem umfassenden medizinischen Konzept darstellte, der TCM
("Traditional Chinese Medicine"), die an Therapieverfahren
neben der Akupunktur noch eine Pharmako-Therapie, besondere Massage-
und Übungspraktiken und eine Diätetik einschließt,
alles eingebettet in eine eigene Krankheitslehre mit einer speziellen
Terminologie und Diagnostik.
Innerhalb der therapeutischen Richtungen
der Gegenwart nimmt die TCM einen wichtigen Platz ein:
- Die traditionelle chinesische Medizin
wird in China an ca. 25 medizinischen Hochschulen mit Universitäts-rang
hauptfachmäßig unterrichtet. Weltweit werden nach
dieser Methodik mehr als 1 Milliarden Menschen behandelt.
- In Deutschland existieren z.Zt. mindestens
fünf ärztliche Gesellschaften für Akupunktur und/oder
TCM, deren mitgliederstärkste, die DÄGfA (Deutsche
Ärztegesellschaft für Akupunktur), momentan die größte
Fachgesellschaft im Bereich der Naturheilkunde überhaupt
sein dürfte.
- Die kassenärztliche Bundesvereinigung
ist vor Jahren schon mit den Fachgesellschaften in Verhandlungen
um Anerkennung der Akupunktur als Kassenleistung eingetreten.
Seit 1.1.96 ist ist die Akupunktur als Leistung Bestandteil der
GOÄ.
- Akupunk-turbehandlungen werden inzwischen
von den meisten gesetzlichen Krankenversicherungen (nach Einzelfallprüfung)
anerkannt und durch Kostenbeteiligung außerhalb der Gebührenordnung
honoriert.
- In Bayern wurde vor einigen Jahren die
TCM-Klinik Kötzting gegründet, die volle Kassenanerkennung
als Akutkrankenhaus besitzt (Versorgungsvertrag mit dem zuständigen
Landesverband der gesetzlichen Krankenkassen).
- Die vier vermutlich bedeutendsten deutschen
(Schul-) Medizin-Fachverlage haben entweder Akupunktur-Lehrbücher
herausgegeben, oder sind mit konkreten Planungen und Vorarbeiten
in diese Richtung befaßt.
- Der auf seinem Gebiet führende Deutsche
Apotheker Verlag gibt das Standardwerk der Chinesischen Arzneitherapie
in deutscher Sprache heraus.
Indikationsbereich
Der Anwendungsbereich der chinesischen
Medizin erstreckt sich nicht nur auf das weite Feld der funktionellen
und psychosomatischen Störungen, also Krankheiten, bei denen
die westliche Diagnostik entweder kein anatomisches Krankheitssubstrat
identifizieren kann, oder aber lediglich das Endresultat einer
pathologischen Entwicklung erfaßt, deren vielfältige
bedingende Faktoren ihr letztlich verborgen bleiben. Die chinesische
Methode erlaubt es ebenso, üblicherweise als organisch klassifizierte
Krankheiten zu behandeln, und zwar bei zahlreichen Indikationen
erfolgreicher als herkömmliche Methoden und praktisch ohne
Nebenwirkungen. So erweisen sich die diagnostischen und pathophysiologischen
Vorstellungen der chinesischen Medizin als probat, moderne immunologische
Fragestellungen bzgl. chronischer Entzündungen, Allergien,
Neurodermitis sowie von Autoimmunstörungen oder Immundefekten
anzugehen. Dies gilt besonders, wenn man chinesische Funktionsmodelle
mit denen der naturwissenschaftlichen Medizin assoziiert. Bewährt
hat sich die Methode ferner bei Lähmungen, z.B. nach Schlaganfall,
Anfallsleiden, Schmerzerkrankungen aller Art.
Nicht zu vergessen ist die Wirksamkeit der Methode bei gynäkologischen
Störungen und in der Suchtbehandlung. Um die Leistungsfähigkeit
der chinesischen Medizin zu illustrieren, haben wir, ohne Gewähr
auf Vollständigkeit, eine Liste erprobter Indikationen zusammengestellt.
Hier sind Diagnosen aufgeführt, deren "chinesische"
Behandlung nach unseren Erfahrungen bei signifikanten Fallzahlen
zu Heilungen oder erheblichen Besserungen geführt hat.
Behandlungsmethodik
Auf die chinesische Behandlungsmethode
selbst kann hier nur stichwortartig eingegangen werden; wir verweisen
hierzu auf die angegebene Literatur, insbesondere auf die Einleitung
zum "Arzneibuch der chinesi-schen Medizin", die auf
Wunsch zugesandt werden kann: Die chinesische Medizin geht individualisierend
vor, d.h. die westliche Diagnose allein reicht als Behandlungsorientierung
nicht aus. Es muß vielmehr zusätzlich zur westlichen
eine chinesische Diagnose erhoben werden. Hierbei wird nach einer
in China schulmäßig etablierten und von uns für
westliche Bedürfnisse verfeinerten Methode so etwas wie
ein individueller Reaktions-Status des Patienten erhoben. Diagnose-Werkzeuge
sind eine außerordentlich detaillierte Krankenbefragung
sowie spezielle körperliche Untersuchungen.
Auf diesem Wege wird eruiert, wie der einzelne Patient auf immunologische,
alimentäre, toxische, psychische, klimatische Belastungen
reagiert, und welche "Reaktionsbildungen" sich in der
Phase der Krankheitsentwicklung pathologisch verfestigt haben.
(z.B. Ekzem, chron. Durchfall, Erschöpfung, usw.)
Aufgabe der Therapie ist es, diese Reaktionsbildungen aufzulösen
und das physiologische Kräftegleichgewicht wiederherzustellen.
Dabei stehen die im folgenden skizzierten Therapie-Verfahren
zur Verfügung:
1. Die hierzulande am ehesten bekannte Akupunktur besteht in
der Reizung definierter Punkte der Körperoberfläche.
Dies führt zu einem Ausgleich "energetischer"
Spannungszustände, mit der Folge, daß Schmerzen, Unruhe
und vegetative Beschwerden nachlassen, und zwar häufig noch
unter der Behandlung. Darüberhinaus läßt sich
durch eine adäquate Punktstimulation die Funktionslage innerer
Organe beeinflussen.
2. Die chinesische Arzneitherapie arbeitet mit Rezepturen aus
Rohdrogen oder Granulaten pflanzlichen, mineralischen und tierischen
Ursprungs, die, verglichen mit der hiesigen Phytotherapie, in
sehr hohen Dosierungen eingesetzt werden.
Die chinesische Arzneitherapie ist im Westen weitgehend unbekannt,
dabei verdanken wir ihr die Möglichkeit, auch schwere Erkrankungen
mit guter Aussicht auf Erfolg zu behandeln. Die chinesischen
Arznei-Drogen sind in ihren Wirkungen außerordentlich präzis
beschrieben, allerdings mit den qualitativen Begriffen der chinesischen
Krankheitstheorie und Diagnostik. Es ist daher unumgänglich,
daß wir vor der Behandlung eine chinesische Diagnose stellen.
3. Die chinesischen Massagetechniken nutzen die aus der Akupunkturlehre
bekannten "energetischen" Zusammenhänge. Ihr Indikationsbereich
entspricht weitgehend dem der Akupunktur. Sie kommen bevorzugt
bei Patienten zur Anwendung, die sich nicht akupunktieren lassen,
etwa Übersensible und Kinder.
4. Ähnlich wie Akupunktur und Massage dienen auch die zahlreichen
Übungsformen des Qigong dem Ausgleich "energetischer"
Balance-Störungen mit positiven Auswirkungen auf Schmerzen,
Span-nungszustände, Schlaflosigkeit, Haltungs- und Bewegungsstörungen,
Funktionsstörungen innerer Organe. Als übendes Verfahren
fördert Qigong Eigenaktivität und -Verantwortlichkeit
des Patienten.
Wissenschaftliche Legitimation
Die chinesische Medizin erfüllt die
allgemeinen Kriterien der Wissen-schaftlichkeit wie Erfahrungsgebundenheit
und logische Widerspruchsfreiheit ihrer Aussagen, Vorhersagbarkeit
krank-heitsdynamischer oder Therapie-induzierter Entwicklungen,
Lehrbarkeit, usw.. Allerdings unterscheiden sich Grundbegriffe
und philosophischer Hintergrund ganz wesentlich von der europäischen
Tradition. Dieser Fragenkomplex hat auch außerhalb Chinas
und Japans eine umfassende wissenschaftstheoretische Bearbeitung
erfahren, und zwar bei uns durch Prof. M. Porkert, München
("Die theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin"
Stuttgart 1982, "Die chinesi-sche Medizin" Düsseldorf
1982 und "Klinische Chinesische Pharmakologie" Heidelberg
1978) und im angel-sächsischen Sprachraum, z.B. durch T.J.Kaptchuk
(deutsche Übersetzung: "Das große Buch der chinesi-schen
Medizin",Bern, München 1988 ) und G.Maciocia ("The
Foundations of Chinese Medicine", Edinburgh, London, Melbourne,
New York 1989). Die Wirksamkeit der chinesischen Methode ist
durch eine außerordentlich große Zahl klinischer
Studien aus China belegt.
Allerdings sind wir aufgrund der Sprachbarriere weitgehend auf
englischsprachige Literatur angewiesen; als Beispiele seien hier
genannt die in China erscheinende Fachzeitschrift "The Journal
of Chinese Medicine" und die 14-bändige Enzyklopädie"A
Practical English-Chinese Library of Traditional Chinese Medicine"
herausgegeben vom Shanghai College for Traditional Chinese Medicine.
Für den deutschsprachigen Raum erscheint regelmäßig
im renommierten Medizin-Fachverlag Urban und Vogel, München,
die Fachzeitschrift: "Die chinesische Medizin" und
neuerdings im TCM-Verlag, Kötzting, eine deutsche Ausgabe
von "The Journal of Chinese Medicine". Einen umfangreichen
Überblick über klinische Studien aus China gibt (allerdings
nur auf Akupunktur bezogen) das zweibändige Werk: "Ist
Akupunktur Naturwissenschaft" herausgegeben von W. Auerswald,
G. u. K. König, Wien, München,Bern 1982. Seit Anfang
1996 ist die Literaturdatenbank der DECA, abrufbar über
das "TCM-NET", mit z. Zt. etwa 1000 Titeln verfügbar.
Die DECA
Unter dem Dach der DECA (gemeinnützige
Gesellschaft für die Dokumentation von Erfahrungsmaterial
der Chinesischen Arzneitherapie mbH, Reitmehring bei Wasserburg)
haben sich z.Zt. 40 bis 50 Ärztinnen und Ärzte zusammengeschlossen,
die z.T. seit mehr als 10 Jahren in eigener Praxis chinesische
Medizin betreiben. Die DECA wurzelt im deutsch-sprachigen Raum,
Gäste aus China zählen zu ihren Mitarbeitern.
Verbindendes Element ist die Erfahrung der außerordentlichen
Möglichkeiten, die in der chinesischen Medizin liegen und
die Überzeugung, daß ein ständiger Erfahrungsaustausch
und eine Fülle gemeinsamer Aktivitäten notwendig sind,
um diese Medizin im Kontext europäischer Lebensgewohnheiten
und Krankheitsformen weiterzuentwickeln und wissenschaftlich
abzusichern.
Die Gruppe ist offen: wer chinesische Medizin gelernt hat und
sich im Klima unstandesgemäß kritischer Diskussionen
weiterentwickeln will, ist eingeladen, sich an ihren Aktivitäten
zu beteiligen.
© by Dr. Chr.
Schmincke
Quelle: http://ag-tcm.de
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